Andrea Knobloch
Neue Allianzen, KünstlerInnen zu UnternehmerInnen umschmieden

Linz, 09.10.02

Ich fange wohl am besten damit an, etwas gemeinsames zwischen Düsseldorf und Graz zu betonen, nämlich, dass sich beide Städte sehr intensiv über das Label Kunststadt nach aussen darstellen.
In Düsseldorf gibt es jetzt neuerdings einen Stempel von der Stadtverwaltung, also alle Briefe, die von der Stadtverwaltung rausgehen, bekommen diesen Stempel, und darauf steht "Kunst kommt aus Düsseldorf".

Ich habe meine Vortrag genannt: "Neue Allianzen, KünstlerInnen zu UnternehmerInnen umschmieden", und möchte versuchen eine Entwicklung zu skizzieren, wie sie insbesondere in Nordrhein-Westfalen (NRW) deutlich und sichtbar wird, die einerseits von politischen Instanzen ausgeht, andererseits auch von der Wirtschaft aufgenommen wird.
Es geht darum, dass in NRW von verschiedenen Instanzen, in der Hauptsache aber vom Landeswirtschaftsministerium aus, Initiativen gestartet wurden, die darauf hinauslaufen, dass Künstlerinnen und Künstler, bzw. alles was zu so dem Feld Kulturwirtschaft gehört, in Selbstständigkeit überführt und zur Unternehmensgründung animiert wird.

Dass das jetzt nicht nur eine in NRW vorhandene landesspezifische Spezialität ist, lässt sich auch daran ablesen, dass es eine Broschüre gibt, die vom Bundeswirtschaftministerium herausgegeben wurde, welche heisst: "Wirtschaftspolitik für Kunst und Kultur, Tips zur Existenzgründung für Künstler und Publizisten".
Das Interessante an dieser Broschüre ist, dass sie mit einem Zitat startet: "Ein Unternehmen bauen ist so kreativ wie ein Bild malen, und ein Buch schreiben". Das mag Ihnen bekannt vorkommen, weil das Zitat ziemlich beliebt ist, es stammt von Philip H. Knight, dem Gründer von Nike, und ganz spannend ist eigentlich, dass dieses Zitat als Einführung in diese Existenzgründungsinitative mehr oder weniger unkommentiert vorne darüber steht. Was damit meiner Meinung nach deutlich wird, ist, dass es da überhaupt keine Differenzen gibt. Politik und Wirtschaft will eigentlich das gleiche, und zitiert sich in den Broschüren gegenseitig.

Näher Eingehen möchte ich auf eine Initiative die vom Landeswirtschaftsministerium aus gestartet wird, und die sich sinnigerweise Start-Art nennt. Das Motto von Start-Art ist Kulturwirtschaft, Kreativität und kaufmännisches Können, also nicht mehr die 3 K's Kinder, Küche, Kirche sondern vier.
Die Initiatoren sind wie gesagt dass Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand, Energie und Verkehr in NRW und eine Gesellschaft die GIB heisst. Die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung. Spätestens hier merken wir dass wir an der richtigen Stelle sind. Start-Art ist als Wettbewerb ausgeschrieben und eingereicht werden können unternehmerische Konzepte im Bereich Kulturwirtschaft. Die Gewinner dieses Wettbewerbs erhalten 5000 EUR, vom Wirtschaftsministerium, um eben ihre Unternehmenskonzepte letztendlich zu realisieren. Es werden aber auch Hilfen für Kredite zur Verfügung gestellt und eben Beratung vom Wirtschaftsministerium. Start-Art versteht sich als Gründerinitiative für Kunst- und Kulturwirtschaft, was eben getrennt wird, was auch ein interessanter Aspekt ist. Kunst- und Kulturwirtschaft ist am Anfang zwei verschiedenen Bereichen zugeordnet, das ändert sich dann aber im Verlauf der Entwicklung, wo dann nämlich beides in eins fliesst. KünstlerInnen und AkteurInnen aus der Kulturwirtschaft, werden auf Selbständigkeit hin orientiert. Dazu wird eben Beratung, Qualifizierung und Unterstützung angeboten. Die Zielgruppe die angesprochen werden soll, ist definiert als AbsolventInnen von Kunstakademien, Kunsthochschulen, von Fachhochschulen mit Schwerpunkt Gestaltung, aber auch StudentInnen aller Fachrichtungen mit kulturwirtschaftlichen Bezug. Das ist, im Grunde genommen, eine ganz grosse Umarmung all dieser Bereiche die in irgendeiner Art und Weise Kunst und Kultur, sei es auch nur marginal, berühren. die Unregelmässigen zunehmen und die Regelarbeitsverhältnisse abnehmen.

Was macht nun den Erfolg aus, bzw. wie definieren diese Initiativen die Erfolgsaussichten von solchen Gründungen?
Das bezieht sich dann ganz klar wieder auf die Gründerpersönlichkeit. Es werden bestimmte Eigenschaften und Strukturen vorgegeben, die man als Gründerpersönlichkeit notwendigerweise haben muss, um erfolgreich zu sein. Gefordert ist "Kreativität in der Entwicklung von Unternehmenskonzepten, und auch kreative und teamorientierte Arbeitsmethoden, eine hohe Qualifikation und Flexibilität der GründerInnen. Weiters gefordert ist eine Bündelung spartenübergreifender, künstlerischer Kompetenzen, und auch Marketing im Rahmen intelligenter Dienstleistung-- und Produktionskonzepte". Das sind alles Zitate aus dieser Start-Art Broschüre.
NRW gibt auch einen Kulturwirtschaftsbericht heraus, wo die Erfolgsgeschichte dieser Gründerinitiativen geschrieben wird. In diesem Kulturwirtschaftsbericht wird angeführt, dass es in NRW 47.700 kulturwirtschaftliche Betriebe und Selbstständige gibt, die alleine 1999 einen Umsatz von 74 Milliarden Mark gemacht haben. Gegenüber 1996 war das eine Steigerung von 21%, zum Vergleich: gesamtwirtschaftlich gab es in dem Zeitraum eine Steigerung von lediglich 10%. Der Kulturwirtschaftsbericht 2000 führt insgesamt 297.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und Selbstständige an. Für NRW seit 1996 war das eine Steigerung von 9%, zum Vergleich: Gesamtwirtschaftlich steigerte sich die Zahl der Arbeitsplätze lediglich um 2% in dem selben Zeitraum.
Interessant zu wissen ist, dass bei Start-Art, das ist ein Wettbewerb der jetzt in die 3. Runde geht, es so ist, dass 50% der Wettbewerbsbeiträge sich im Dienstleistungsbereich ansiedelnden, 20% produktionsorientiert sind, und 30% sich mit Kunst und Gestaltung auseinandersetzten. Die Start-Art Broschüre sagt weiters, dass im Vordergrund dieses Wettbewerbs die Tatsache der Unternehmensgründung steht, dass ist das Ziel, und dass das in keinster Weise ausschlaggebend ist, ob eine künstlerische Qualität hinter diesen Konzepten vorhanden ist. Das ist weder wichtig, noch wird es bewertet. Pro Gründungsvorhaben werden ca. 2 neue Arbeitsplätze geschaffen, 2/3 der Vorhaben bieten freien KünstlerInnen projektbezogen weiter Beschäftigungsmöglichkeiten. Das Startkapital welches angesetzt wird für Gründungsvorhaben in der Kulturwirtschaft ist angesiedelt zwischen 10.000 und 100.000 EUR.
Die Beratungsinitativen die diesen Wettbewerb begleiten, geben als Beratungsziele folgende Punkte an: Festgestellt wird allgemein, dass Leute die aus dem Bereich Kunst ind Kultur kommen, und Unternehmenskonzepte vorlegen, eine grosse Kreativität, und eine grossen Ideenreichtum bieten, der dann über die Beratung welche angeboten wird, von den entsprechenden Instanzen wieder herunter-gelevelt werden muss.
Als Beratungsziel wird angegeben, dass die komplexen, prozessualen, offen formulierten Geschäftsideen, auf ein Kerngeschäft reduziert werden müssen, dass ein Bewusstsein geschaffen werden muss, für eine am Markt aussichtsreiche und praktikable Umsetzung, dass konsequentes Denken in Marketing Kategorien gefordert ist, dass eine klare Produktdefiniton vorgelegt werden muss, also eine Nutzendefinition, dass eine Ausrichtung auf Märkte und Zielgruppen vorhanden sein muss, und dass eine Konkretisierung der Geschäftsidee in Planung und Wirtschaftlichkeitsprognose notwendig ist. Weiterhin ist die Geschäftsidee zu prüfen auf Optionen, die wirtschaftliche Tragfähigkeit herstellen können.
Hier geht es eigentlich um Marktanpassung. Aus diesen Beratungsideen ist auch schon ablesbar, dass dieser Start-Art Wettbewerb als Gründungsinitiative hauptsächlich darauf abzielt, mögliche Konzepte und Geschäftsideen, die da eingereicht werden, auf die Machbarkeit herunter zu strukturieren. Es geht eigentlich nicht darum, durch das zur Verfügung stellen von Starktkaptial, wirklich innovativ zu sein, und wirklich riskante Projekte zu fördern, sondern ganz konkret eine Art Auffangbecken zu schaffen, für Leute aus dem Kunst- und Kulturbereich, die ansonsten an öffentliche Subventions- oder Fördertüren klopfen könnten.

Was ist das Fazit aus dieser Initiative Start-Art? Im Grunde genommen ist das meiner Meinung nach konzeptuell so zu sehen, dass hier Selbstständigkeit die Beschäftigungslosigkeit ersetzt, das heisst, dass das Land über diese Initiativen auch versucht Arbeistlosenstatistiken zu bereinigen. Das ist auch eine versteckte Einführung eines Billiglohnsektor, der sich selbstständig sich verselbstständigenden Selbstausbeutenden. Finanzielle und existenzielle Risiken tragen ausschliesslich die GründerInnen.

Interessant ist, in welchen Grad Künstler und Künstlerinnen medial öffentlich werden. In Berichten, Zeitschriften, Film, Fernsehen ist das eigentlich so, dass es zu 80% Künstler sind, und ganz marginal Künstlerinnen auftauchen. Bei diesen Kulturwirtschafts- Existenzgründungsgeschichten ist es aber umgekehrt, das sind eigentlich Frauen in vorderster Front zu sehen, das kann man sich auch überlegen, woran das liegen. mag.

Hilfen werden zwar gewährt, indem Beratung angeboten wird, und auch das Erhalten von Krediten erleichtert wird, mildern letztendlich die Risikoübernahmen nicht, reduzieren aber über dieses Beratungsangebot Komplexität und Offenheit der Ideenproduktion auf das für Möglich gehaltene. Widerständiges Potential wird von vorne herein domestiziert, mögliche Differenzen in den Interessen von KünstlerInnen und ProtagonistInnen der Privatwirtschaft bzw. der Politik werden erst gar nicht angenommen und finden in den jeweiligen Konzepten auch nicht mehr statt.
Der Weg in die Selbstständigkeit ist ja oft keine freie Entscheidung, sondern pure Notwendigkeit, weil Profil und Fähigkeiten ausschliesslich in einer selbst-designte Arbeitsumgebung adäquat einzusetzen sind.
Auch mit 50 kann man sich noch ohne weiters selbstständig machen, eine festen Arbeitsplatz zu erhalten ist aber nahezu unmöglich. Outsourcing des kulturellen Sektors in zwangsverpflichtetes freies Unternehmertum heisst eigentlich, dass die neuen Selbstständigen sich weiterhin an den bestehenden marktwirtschaftlichen Wertesystem orientieren, den man auch bei einer minimalen Erfolgserwartung nicht entgehen kann, das man eben akzeptieren und beherrschen können lernen muss.

Der Kulturbereich wird so in Kulturwirtschaft umgewandelt, und so einerseits marktwirtschaftlich relevant, andererseits systemkonform instrumentalisiert. Bestehende Herrschaftsverhältnisse, sozio-ökonomische Ungleichheiten, werden hier überhaupt nicht mehr in Frage gestellt, weil sie eben Voraussetzungen eines funktionierenden Wirtschaftens in der Kultur sind.

Das heisst umgekehrt wieder, dass Grundsicherung wichtig ist und bleibt, und daher auch gewährleistet werden müsste. Eine Veränderung scheint auch zu sein, dass die Arbeit an sich an Stellenwert abnimmt, dass Vollbeschäftigung kein erreichbares Ziel mehr scheint, dass Teilzeitbeschäftigung erheblich ist, die Freizeit zunimmt. Daraus ist auch zu sehen, dass das wirtschaftliche Erfordernisse eines Systems sind, dass sich die Menschen und die Gesellschaftsbilder so zurichtet wie es sie braucht.

Das war jetzt der Versuch darzustellen, wie eben der politische Einfluss auf Kunst- und Kultur sich in NRW darstellt, also welche Ziele hier verfolgt werden.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch ein ganz extremes Liebeswerben der Wirtschaft um Künstlerinnen und Künstler.
Worum es darin geht ist die Frage, wer hat die Macht den anderen zu dominieren. Laut Bundeswirtschaftsministerium ist die Zunahme der Selbstständigkeit begründet in den gestiegenen Arbeitslosenzahlen. Berufliche Selbstständigkeit ist hier als Ausweg skizziert, ein weiterer Faktor ist aber auch die gestiegenen Nachfrage. Das heisst, der wirtschaftliche Wandel, produziert und absorbiert gleichzeitig das neue Kunstunternehmertum. Die immer häufiger geübte Pseudoharmonisierung beider Bereiche führt aber notwendigerweise zu einem Nachlassen des Attraktivitätsgrades.
Ich zitiere: "Sind wir Künstler und Bankiers uns nicht sehr ähnlich? Wechsler, Geldvermehrer, Goldmacher, schillernde Spekulanten des Scheins, Scharlatane gar. Verführer durch das Versprechen wunderlicher Vermehrung. Beide malen wir an Bildern wunderlicher Vermehrung. Wir sind die Zauberer des Scheins, die Schöpfer und Verwalter der verbindlichen Werte unserer Zeit". Diese Zitat stammt von Thomas Huber, Künstler und Vorsitzender des deutschen Künstlerbundes.
Als Fortsetzung zu diesem - nicht weiter zu kommentierenden Zitat, möchte ich auf das Editorial des Katalogs zur Ausstellung art&economy zugreifen, in welchem es heisst: "Künstler setzen sich heute mit dem Phänomen einer ökonomisch geprägten Umwelt auseinander, sie greifen Bilder und Prozesse und Strategien der Wirtschaft auf, um auf vielfältige Weise deren Realitäten zu reflektieren. Wirtschaft, Design und Werbung suchen ihrerseits aktiv die Nähe zur Kunst. Unternehmen treten als Auftraggeber und Sammler auf, Kunst dient dazu unternehmerisches Handeln, Repräsentation und gesellschaftliche Verantwortung zu verknüpfen". Hier erklärt sich eigentlich auch schon die gestiegene Nachfrage die jetzt aus der Wirtschaft auf Kunst zugreift, weil es eigentlich darum geht, das fehlende ganzheitliche Bild des Unternehmens im Unternehmen - Stichwort corporate design - wieder herzustellen. Da werden dann Begriffe wie Authentizität, Unterscheidbarkeit, Individualität, Identifikation wieder wichtig, die aber genauso wieder dem Kunstbereich zuzuschlagen sind. Die Auslagerung der Produktion hinterlässt im Unternehmen eigentlich eine Leerstelle, und produziert gleichzeitig die Notwendigkeit der überzeugenden Darstellung der Produktivität des Unternehmens nach innen und nach aussen.
Ich zitiere noch einmal: "Eine Firmensammlung schafft ein kreatives Ambiente und vermittelt dem Mitarbeitern ein Gefühl für die Kreativität des Unternehmens. Gleichzeitig spiegeln Sammlungen die Fähigkeit des Top-Managments zu mutigen, innovativen Entscheidungen wider, und die Fähigkeit ein ganzes Unternehmen mit kreativem Bewusstsein zu inspirieren." Das sagt Jeffrey Deitch im art&economy Katalog. Interessant bei diesem Zitat finde ich, dass es nicht darum geht sich wirklich künstlerische Kompetenz in ein Unternehmen heranzuziehen, und dort zu teilen, sonder letztendlich entscheidet hier wiederum das Top-Managment darüber, welche Form und welche Art Kunst in dem Unternehmen wirksam werden soll, und schmückt sich dann mit Begriffen wie Innovation und Kreativität die aus dem Kunstbereich rausgezogen werden, und da wieder übertragen werden.
Ganz klar ist eben auch, dass hier eine hierarchische Struktur weiterhin vorhanden ist. Künstlerische Kompetenz in Unternehmen wird also eigentlich gebraucht um Präsentationsoberfläche zu gestalten, um als Mediator zu wirken, Anreger für Kommunikationsprozesse zu sein, als Kreativitätsliferant und als Erkenntnisgenerator. Wobei das anders sein, und von aussen in das Unternehmen blicken Voraussetzung ist und bleibt. Ausserdem kommt noch dazu, dass der Wirkradius von Kultursponsoring neuerlich als viel wichtiger bewertet worden ist, als das noch vor kurzem der Fall war, und im Chor der Marketingstrategien eine ganz wichtige Rolle spielt. Künstlerisch Kompetenz wird also innerhalb eines vom Unternehmen vordefinierten Handlungsradius funktionalisiert. Eine ernstgemeinte Verantwortung, Beteiligung, tatsächliche Einflussmöglichkeiten in interne Ziele und Strukturen ist überhaupt nicht intendiert.
Der immer wieder gerne ins Feld geführte Verweis auf das innovative Potential der Liaison dangereuse zwischen Kunst und Wirtschaft ist angesichts der ausserordentlich konventionellen Vorstellung über Kunst und ihre möglichen Erscheinungsformen die aus den Verlautbarungen des Top-Managments heraus filterbar sind, einigermassen lächerlich aber logisch. Denn auf der populär-kulturellen Vermarktungsschiene ist der Begriff auf konventionelle role-models immer am aussichtsreichsten.

Im Kunstbereich lässt sich feststellen, dass imaginierte Erwartungshorizonte, die auf die Wirtschaft projiziert werden, in künstlerischen Projekten die sich jetzt dieser Fusion Kunst und Wirtschaft widmen, eigentlich im vorauseilenden Gehorsam vorweggenommen werden. Es wird auch von den Künstlerinnen und Künstlern, die sich damit beschäftigen kein neues Künstlerbild entworfen. Weiterhin bemerkenswert ist, dass die einzigen Zuordnungen, die sich auf beide Bereiche gleichmässig verteilen Innovation und Flexibilität sind. Das wäre sozusagen eine Schnittstellendefinition von Kunst und Wirtschaft.
Der Wandel des klassischen Künstlerbildes wird also ständig konstatiert, wird aber nicht eingelöst weil die Zuschreibungen erwartungsgemäss konventionell sind.

Fazit: KünstlerInnen in Unternehmen bleiben markiert mit dem Besucherkärtchen. Würden sie zu gleichen Konditionen eingestellt wie das Management verlören sie den Reiz des Anderen. Der zurückgespiegelten Aussenwahrnehumg, die hier eine gewichtige Rolle spielt. Unternehmen gestalten und überprüfen sich mittels der vorsichtigen Integration künstlerischer Kompetenz. Spielräume für Künstler in Unternehmen sind von Haus aus begrenzt. Ihre Tätigkeit bleibt immer dem Unternehmenszweck untergeordnet und wird von den KünstlerInnen auch nicht in Frage gestellt.
Das heisst die Tätigkeit der KünstlerInnen im Unternehmen verbreitet lediglich das Parfum des Unternehmens, dass im Vorfeld schon dermassen minimiert wurde, dass es praktisch keine Rolle mehr in den Aktivitäten spielt.
Kunst in Unternehmen bedeutet immer, aufgeben von Potentialen zu denen auch destruktive gehören. Das Unternehmen filtert die nicht gewollten Aspekte künstlerischen Handelns schon im Akt der Korporierung aus.
KünstlerInnen als UnternehmerInnen übernehmen die Idee des Unternehmensziels in ihre Produktionsumgebung, das heisst eigentlich auch schon wieder Vorzensur, künstlerisches Handeln an dem Ort an dem es generiert wird.
Anstatt alternative Arbeitsmodelle zu suchen die eben auch die Palette, der durch die Organisationsform Unternehmen scheinbar ausgeschlossenen Potentiale wieder integrieren könnte. Was hier vorliegt würde ich als eine Versuch von Wirtschaft und Politik, also auch ganz konkret der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik sehen, zu definieren welche Rolle Kunst innerhalb der Gesellschaft zu spielen hat. Unverhohlen wird eine gesellschaftliche Verpflichtung konstruiert. Künstler die sich nicht in die Gesellschaft in Form von Unternehmensgründung oder Arbeit in Unternehmen integrieren wollen, werden als diejenigen denunziert die im Elfenbeinturm sitzen auf autonomes produzieren beharren, und somit auch keine Berechtigung mehr haben, irgendeine Art von Förderung zu erfahren, sei es jetzt öffentliche oder private Förderung.

Das läuft darauf hinaus, dass diese Konstruktion einer gesellschaftlichen Verpflichtung der KünstlerInnen gegenüber ihrem Umfeld eine solche ist, die ausschliesslich solch Inhalte künstlerischer Arbeit reklamiert, die als system-erhaltend wieder funktionalisierbar sind. Das ist jetzt so eine Art Perspektive die nicht recht positiv im Bezug auf Möglichkeiten erscheint, wie man sich darin bewegen kann.
Es ist - soweit ich das in Deutschland beurteilen kann - ganz klar dass von der Politik kein Input und keine Perspektiven da sind, und dass auf von der Wirtschaft formulierte Entwürfe zurückgegriffen wird. Das eine geht nahtlos in das andere über, und die Definitionsmacht, was soll Kultur in der bundesdeutschen Wirklichkeit bedeuten, von diesen beiden Instanzen im Zusammenspiel übernommen wird.
Und ich denke, dass es da eben ganz wichtig ist, das einerseits zu beobachten, und sich andererseits auch nicht rauskicken zu lassen, sondern dass die Künstler und Künstlerinnenschaft wirklich aufgefordert ist, sich zu melden, öffentlich zu sprechen, und die Definitionsmacht zurückzufordern. Das man also weiter versucht sich in diesem System zu bewegen ohne sich ihm auf das andere was von der Wirtschaft und von politischen Instanzen generiert wird, reduzieren zu lassen, und weiterhin versucht in diesen Strukturen zu arbeiten, und herauszufinden wo da Handlungsspielräume sein könnten.

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