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Monika
Mokre
Selbständige Beschäftigung - Freie
Entscheidung ohne Alternativen
Linz, 25.09.02
Die
Themenstellung, die mir gegeben wurde, war "atypische Beschäftigung
- freie Entscheidung oder nicht, "Freiwilligkeit oder nicht".
Der Titel den ich dann meinem Statement dazu gegeben habe war "freie
Entscheidung ohne Alternativen". Das ist auch der Header, unter dem
ich das erzählen möchte.
Ich würde gerne mit einer Geschichte beginnen. Vor ein paar Wochen
bin ich mit einer Freundin zusammengesessen die ich noch aus der Schule
kenne, und die mir dann erzählt hat, dass sie in den Zeiten unseres
gemeinsamen Sturm und Drangs, also mit 17 in ihr Tagebuch geschrieben
hat, was sie für ein schreckliches Schicksal vor sich hat. Sie
hat geschrieben, dass sie in 20 Jahren von 9 - 17 Uhr in einem Büro
sitzen, und darauf warten wird, dass Feierabend ist. So wird das alles
enden. Die Claudia ist jetzt freiberufliche Psychotherapeutin und die
Message, um die es ging war, es geht es ihr ja viel besser als sie sich
vorgestellt hat, was weiters heissen würde, dass mit der Freiwilligkeit
stimmt. Sie hat sich etwas ausgesucht, wo sie freie Zeiteinteilung hat,
wo sie Dinge die sie machen will zu dem Zeitpunkt wann sie sie machen
will machen kann. Schön. Schön atypisch.
Wir haben dann weitergeredet. Ich arbeite bei FOKUS - dass ist so das
Baby, das wir entwickelt haben, und wo mein Herz daranhängt, aber
vom "professionellen" her eine Seitenlinie, wenn man so will. Ich arbeite
an der Akademie der Wissenschaften in Wien, an einer Forschungsstelle,
wo es um europäische Integration geht. Ich habe eine ziemlich freie
Zeiteinteilung, ich mache dauernd Sachen die ich spannend finde - und
- ich kriege 14 Gehälter im Jahr, bin sozialversichert und im Pensionsfond
der Akademie. Was kurzgefasst heisst: mir geht es besser als der Claudia
und auch den meisten der cultural workers. Weil, und das ist der relativ
triviale Punkt auf den ich da raus will, dieses Bild des atypisch Beschäftigten,
der also wesentlich selbstbestimmt arbeitet und sich kreativ entfalten
kann, ein Bild ist, das nicht dadurch bestimmt ist, dass man keine Sozialversicherung
hat sondern das bestimmt ist durch die Arbeitsbedingungen.
Das hat natürlich seine Berechtigung. Es ist tatsächlich so,
dass die Kombination selbstbestimmtes Arbeiten, nicht regelmässiges
Einkommen, keine normale soziale Absicherung häufig ist, und der
Zusammenhang fixer Job, feste Arbeitszeiten die man absitzen muss, hohe
soziale Sicherheit auch. Das sind Prototypen, die man in der Realität
findet.
Mir
geht es um Bilder. Es geht um Bilder die uns gezeigt werden, die uns
vermittelt und verkauft werden, als das, wie wir unser Leben gestalten
wollen und sollen. Diese Bilder haben weniger mit reflektierten Präferenzen
zu tun, mit rationalen Entscheidungen sondern eben mit einem Gefühl,
das man sich mit irgendetwas identifizieren kann.
Was ich jetzt tun möchte, ist einerseits zu versuchen diese Bilder
zu dekonstruieren, und andererseits möchte ich am Schluss etwas
recht altmodisches tun, nämlich über Gesellschaftmodelle sprechen,
und wie man sich ein Modell eine Utopie für eine Gesellschaft vorstellen
könnte.
Beginnen
möchte ich die Dekonstruktion schwammiger Bilder damit, dass ich
ein paar Definitionen präsentiere, damit wir zumindest eine Diskussionsstandpunkt
haben - worüber reden wir eigentlich. Ich beginne damit, was ist
ein Normalarbeitszeitverhältnis: Das ist eine Definition von Emerich
Talos, einem Sozialpolitikexperten aus Wien, der das also folgendermassen
definiert:
"Unter Normalarbeitsverhältnis wird jener Typus von Beschäftigungsverhältnissen
verstanden, der durch abhängige, vollzeitige und dauerhafte Beschäftigung
mit geregelter Normalarbeitszeit, mit kontinuierlichem Entgelt und Bestandschutzgarantien
gekennzeichnet ist und im wesentlichen auf männliche Erwerbsbiographien
zutraf und noch immer zutrifft."
Also eine Geschichte, die in ihren ganzen Facetten eigentlich relativ
selten ist heutzutage, aber statistisch auch vorher nicht gar so häufig
war.
Das geht hervor aus einer zweiten, längeren Definition von Gerda
Neyer, auch einer Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Sozialpolitik.
Sie sieht fünf Arbeitsmärkte, und zwar nicht unbedingt Neue,
die gibt es schon immer -bzw. nicht immer aber schon lang. Fünf
Arbeitsmärkte in die sich die Gesellschaft teilt, und nur der erste
Arbeitsmarkt ist also der, von dem Talos als Normalarbeitsmarkt spricht.
Also der Erste ist jener, der sich durch existenzsichernd, bezahlte
Dauerarbeitsplätze, definiert, der in erster Linie inländischen
Männern und männlichen EU- Bürgern vorbehalten ist, bzw.
Frauen, die sich höher qualifizieren als die Männer die darin
sind.
Der zweite Arbeitsmarkt - ein gendermässig recht weiblich besetzter
- ist jener mit : Teilzeit, Flexibilisierung und Aushöhlung
sozial- und arbeitsrechtlicher Standards.
Dann gibt es einen Dritten, der in den arbeitsrechtlichen Standards
so gestaltet ist wie der erste Arbeitsmarkt, sich aber wesentlich dadurch
unterscheidet dass er subventioniert ist. Viele der klassischen, traditionellen
Kunst- und Kulturberufe waren in diesem Bereich, ebenso wie die Wissenschaft,
aber der grösste Bereich war der, der über die Arbeitsmarktverwaltung
kam. Es sind aber auch Jobs die sozial- und lohnrechtlich gesichert
waren.
Dann haben wir eine vierten Arbeitsmarkt, der sozusagen die Kehrseite
des Dritten ist, sofern es um die Arbeitsmarktverwaltung geht, wo es
um zugewiesene Jobs geht, also um Leute die einen Job zugewiesen bekommen.
Und dann gibt es noch den Fünften mit Schwarzarbeit und privater
Beschäftigung, aber dieser beschäftigt uns hier jetzt weniger.
Was deutlich in der Entwicklung ist, dass einerseits der dritte Arbeitsmarkt
sehr stark abgelöst wird ist vom Vierten. Die sozialrechtliche
Absicherung von Leuten die keine Arbeit haben und eine suchen nimmt
ab, zugunsten davon, dass ihnen etwas zugewiesen wird, - und - was für
uns interessanter ist, dass der zweite Arbeitsmarkt den Ersten ablöst,
dass diese Teilzeitverhältnisse die Unregelmässigen zunehmen
und die Regelarbeitsverhältnisse abnehmen.
In
diesen Definitionen ist trotzdem - denke ich - nicht ganz klar was atypische
Beschäftigungsverhältnisse sind. Ich würde einen befristeten
Vertrag nicht unbedingt als atypisches Beschäftigungsverhältnis
bezeichnen. Es gibt also verschiedene Aspekte die darunter fallen können,
aber mit unterschiedlicher Relevanz.
Die Merkmale sind: Es gibt nicht angestellte Jobs mit keinem oder geringem
Versicherungsschutz, dann die Frage Vollzeit, Teilzeit bis geringfügig
(geringfügig sicher ein special case mit dieser geringen Absicherung),
die Frage Selbstständigkeit kontra angestellt und scheinselbstständig,
Kollektivverträge ja - nein, die Entlohnung - unregelmässig
bis regelmässig, das sind Aspekte dieser atypischen Beschäftigungsverhältnisse
von denen wir reden.
Individuell, und gerade im Kultursektor über den wir hier sprechen,
wirkt sich das natürlich auf Biographien und Gestaltungen des Lebens
aus. Eine wesentliche Komponente dessen ist, dass sich Arbeit mit Freizeit
mischt, dass sich Privates mit Beruflichem mischt, dass es keine Unterscheidung
gibt zwischen meinen privaten Freunden und den Leuten mit denen ich
arbeite, dass alle irgendwie zusammenarbeiten. Man fällt quasi
auf ein präkapitalistisches Modell der Arbeitsteilung zurück.
Das gibt es im Kultursektor schon recht lange, aber es breitet sich
aus. Das ist wohl auch der Grund warum es jetzt auch gesamt politisch
mehr Thema wird. Einerseits wird behauptet dass der Kultursektor grösser
wird, dass der cultural worker immer mehr Bedeutung hat. Darauf will
ich jetzt nicht weiter eingehen, aber ich halte es für fraglich
ob dem so ist, oder ob es nur eine frage der Umdefinitionen ist.
Es gibt offensichtlich ein wirtschaftliches Interesse an dieser Form
des Arbeitens, und auch an diesem positiven Bild des cultural worker.
Ich denke, man kann das so definieren, dass man sagt, die Kulturberufe
funktionieren als Versuchskaninchen für eine Entwicklung des Arbeitsmarktes
die jetzt wirtschaftlich günstig erscheint und deshalb auch erwünscht
ist. Es werden diverse Bilder dafür entwickelt was diese atypischen
Arbeitsformen, Kulturarbeiter, cultural worker sind, recht positive
Bilder, die sehr emotional aufgeladen sind, als dass sie durch Fakten
belegt sind.
Es gibt also das Interesse des Wirtschaftssystems an dieser Form der
Arbeitsgestaltung. Auch aus dem engeren Kunstbereich gibt es den Versuch,
indem Kunst als gesellschaftlich wichtig erklärt wird, und kein
Luxus ist, den sich eine Gesellschaft leistet, sondern eine Bedeutung
hat.
Dabei wird auch teilweise der cultural worker politisch gewendet, in
Kombination mit dem dritten Sektor und der Geschichte, dass politisches
Widerstandspotential darin ist. Es gibt von der anderen Seite her die
Geschichte der creativ industries und die Idee, dass die Kunst marktfähig
ist und in der Ökonomie existieren kann. Generell würde ich
sagen, es gibt eine Versuch von verschiedenen Seiten diesen Freiraum
oder die freischwebende Kunst zu vereinnahmen bzw. neutral gesagt einzubeziehen.
Das ist ein Bild dass dafür oft sehr attraktiv gewendet wird, was
es für die persönliche Karriere bedeutet, wie man seine eigenen
Vorlieben beruflich umsetzt. In Grossbritannien war das sehr stark kombiniert
mit diesen party-ravers. Man beginnt damit dass man was eröffnet,
man hat es lustig miteinander, und irgendwann wir es ein Job und man
ist der cultural entrepreneur, und es passt.
Ein anderes Bild das sehr beliebt ist dass ich sehr oft in diesem Kontext
finde, ist eine Definition von Marie Luise Angerer:
" Durchschnittlich 25-30 jährige Person, multi-skilled,
flexibel, psychisch stark im Nehmen, unabhängig, alleinstehend,
ortsungebunden, die zugreift, wo es im Bereich der Kunst, der Musik,
der Medien etwas gibt".
Ich denke mir was man bei diesen Bildern auch sieht ist, dass diese
Kulturalisierung der Ökonomie davon profitiert, dass man Bilder
aus dem Kultursektor nimmt, die sich dadurch auszeichnen, dass das symbolische
Gehalt, das symbolische Kapital wenn man so will sehr viel grösser
ist als der materielle Gewinn, und man verkauft das den Leuten als etwas
Positives.
Man verdient nicht soviel, dafür ist euer Leben erfüllter.
Angela Mc Robbie hat das sehr schön am Beispiel der DesignerInnen
im Modebereich gezeigt, die unheimlich viel Aufmerksamkeit bekommen,
die Leute schauen sich das gerne an, aber keiner kauft etwas. Es gibt
ModedesignerInnen, die wirklich berühmt sind, und einen Namen haben
in der Szene, und nach wie vor am Küchentisch ihre eigenen Modell
schneidern. Diese Geschichte von Marie Luise Angerer finde ich insofern
gut, weil hier an die ganzen Probleme schön angeknüpft werden
kann, an diese bits and pieces.
Was heisst das: die zugreift, wo es im Bereich der Kunst, der Musik,
der Medien etwas gibt. Das heisst z.B. - was auch empirisch nachgewiesen
ist - dass diese cultural worker sehr häufig viel höher ausgebildet
sind als die Tätigkeiten qualifiziert sind die sie machen. Das
40% der UniabsolventInnen z.B. nie in dem Beruf arbeiten für den
sie ausgebildet wurden. Eben zugreifen wo es etwas gibt. Und es stellt
sich natürlich auch die Frage, was aus dem cultural worker wird
wenn er oder sie nicht mehr 30 ist, wenn er/sie nicht mehr alleinstehend
ist.
Stellt
sich dann weiters die Frage, wenn ich das hier dekonstruiere, und das
Bild von sweat-shop und Frühkapitalismus entsteht, warum diese
Bilder so attraktiv sind.
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Ich denke, dass das wirklich
eine Wendung von etwas ist, was einmal ein politisches Postulat war.
Wie in der Geschichte eingangs erwähnt geht es darum, was damals
mitschwang, so etwas wie ein anarchistischer Zugang. So leben wie man
es sich vorstellt, nicht einordnen lassen. Das wurde recht geschickt
neoliberal gewendet, und in neue attraktivere Bildersprachen umgesetzt.
Wobei diese politisch aufgeladenen Bilder durchaus noch nachwirken,
bei den Leuten die selbst Teil dieses Sektors sind. Angela Mc Robbie
sieht das auch so, dass diese Leute -die in Grossbritannien so arbeiten
- als die Erben von Margaret Thatcher zu bezeichnen sind, die sich alle
selbstständig machen, und diesen Kapitalismus der ihr vorschwebte
leben. Sie selbst sehen sich natürlich nicht so. Und sie sind natürlich
auch in Bereichen - dass muss man sehen - die Thatcher sich nicht vorgestellt
hat, sie hat sich nicht den Kunst und Kulturbereich vorgestellt.
Eine
wichtige Komponente die diesem Bild des cultural workers und all seiner
Selbstständigkeit und Selbstermächtigung anhängt, ist
die, dass man natürlich auch selbst schuld ist wenn man es nicht
schafft. Es gibt relativ viele gibt die es nicht schaffen, es gibt Studien
dazu, dass ein hoher Anteil am Existenzminimum lebt, und dann gibt es
die cultural entrepreneurs, die wirklich Geld machen. Was darunter steht
ist, du bist zuwenig flexibel, zuwenig dynamisch um es zu schaffen,
und es ist deine Geschichte und keine gesellschaftliche Verantwortung.
Es übernimmt keiner die Verantwortung in der Gesellschaft, und
zwar nicht nur im Bezug auf die Versicherungs- und Lohngeschichten,
sondern da hängt ein Rattenschwanz von Dingen daran. Es gibt keine
Arbeitsmarktbetreuung, das ganze Arbeitsmarktsystem hängt an einem
Berufsprinzip wo davon ausgegangen wird, dass man ein Leben lang den
gleichen Beruf hat. Die politischen Forderung, die wir einmal hatten
an Arbeitsplätze, an Unternehmen, Demokratisierung, Gleichstellung,
equal opportunities, keine Diskriminierung ist einfach durch die Struktur
nicht gegeben.
Und bisher ist es auch - und das ist eine wesentliche Frage für
diese Reihe - völlig unklar, auch von der theoretischen Ebene,
wie man einsteigen was man machen soll. Bei wem soll man sich beschweren,
wenn jemand sich selbst dafür entscheidet, dass er so tut wie er
tut. Es ist auch so, dass wenn solche Kleinstunternehmen Angestellte
aufnehmen, dass das problematisch wird, dadurch, dass das so ein unkontrollierter
Sektor ist.
Angela Mc Robbie nennt das: who is on the guestlist? Genauso
wie man sich die Gäste fürs clubbing aussucht, genauso sucht
man sich seine Angestellten aus.
Man
müsste also diese Bilder dekonstruieren, muss sich anschauen welche
Teile davon attraktiv und wirklich sinnvoll sind und welche nicht.
Es besteht glaube ich kein Zweifel daran, dass wir in einer Gesellschaft
leben die zahlreiche, sehr veraltete Institutionen hat, die nicht greifen.
Nicht nur im Bereich des Arbeitslebens, es ist auch bei politisches
Parteien so, dass die nach Strukturmerkmalen gebildet wurden, die nicht
dem entsprechen wie wir unsere Präferenzen ordnen.
Was bedeutet, dass unsere Wahlmöglichkeiten sehr eingeschränkt
sind, durch ein Institutionengefüge, dass wir uns nicht ausgesucht
haben, das aber auch nicht Gott gegeben ist, und veränderbar ist.
Ich denke, man müsste im Bereich dieser atypischen Beschäftigungsverhältnisse
genauer anschauen wem geht's wie dabei, und wer braucht was, und nicht
diese Bilder im Gesamtpaket kaufen.
Ich persönlich kommen aus der Linken, und habe wie viele Linke
erhebliche Probleme damit mein Weltbild umzusetzen. Die Ziele stimmen,
aber was sind die Wege dorthin. Ich halte aber noch immer an alten pathetischen
marxistischen Maximen fest, wie z.B. dass die freie Entwicklung eines
jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist. Was auch
heisst, dass diese individuellen Wahlmöglichkeiten und diese Freiwilligkeit
auf einer individuellen Ebene nur beschränkt bearbeitet werden
kann, weil es auch darum geht wie eine Gesellschaft aufgebaut werden
soll. Selbst wenn verschiedene Leute der Meinung sind, sie arbeiten
ohne Sozialversicherung halte ich das gesellschaftlich für falsch,
und bin dafür, dass es z.B. Krankenversicherungen verpflichtend
gibt.
Ich glaube es gibt Grundstandards einer Gesellschaft, die man muss unter
neuen Bedingungen neu fassen muss.
Ein wesentlicher Faktor dieser neuen Bedingungen scheint die so genannte
postmaterielle Orientierung. Es geht nicht mehr nur um Geld, es geht
nicht nur um Güter, es geht auch um Arbeitszufriedenheit, Lebenszufriedenheit.
Das geht Hand in Hand damit, dass man vom Endsieg des Kapitalismus spricht,
dass man von Individualisierung spricht Die postmaterielle Orientierung
ist ja nicht eine nicht-materielle sondern heisst materielle Absicherung
plus etwas anderes, was ja auch vernünftig erscheint. Dies gilt
nebenbei nur für einen recht begrenzten Teil der Welt, das ist
klar.
Das
heisst umgekehrt wieder, dass Grundsicherung wichtig ist und bleibt,
und daher auch gewährleistet werden müsste. Eine Veränderung
scheint auch zu sein, dass die Arbeit an sich an Stellenwert abnimmt,
dass Vollbeschäftigung kein erreichbares Ziel mehr scheint, dass
Teilzeitbeschäftigung erheblich ist, die Freizeit zunimmt. Daraus
ist auch zu sehen, dass das wirtschaftliche Erfordernisse eines Systems
sind, dass sich die Menschen und die Gesellschaftsbilder so zurichtet
wie es sie braucht.
Wenn
wir jetzt darüber nachdenken, was sich ändern sollte, wo es
hingehen sollte, was erhalten bleiben sollte, dann geht es meiner Meinung
nach um:
1. Materielle Grundsicherung für alle Altersstufen, das heisst
es muss Pensionen geben, es muss gute Kinderbetreuung und gute, unentgeltliche
Schulen geben. Es muss für Leute im Erwerbsalter eine Form der
Sicherung geben - Grundsicherung oder nicht - auf jeden Fall eine die
adäquat dem ist was wir jetzt leben.
2. Die Frage nach der postmateriellen Orientierung, zu sagen Arbeitszufriedenheit
ist wichtig - auch auf einer abstrakteren Ebene - was heisst Arbeitszufriedenheit
- wie ist das zu erreichen, dass diejenigen die jetzt sehr zufrieden
und selbsterfüllt 80 Stunden die Woche arbeiten, auch zufrieden
sind, wenn sie etwas weniger arbeiten, wie ist es andererseits zu erreichen,
dass Leute die in Berufen arbeiten, und es gibt immer noch sehr viele,
die überhaupt nicht erfüllt usw. sind, etwas mehr Arbeitszufriedenheit
haben, weil das ja auch ein wesentlicher Aspekt in der Debatte um die
atypischen Beschäftigungsformen ist.
3. Dafür braucht es Organisation, die anders aussieht als Gewerkschaften
heute. Etwas das flexibler ist, wo es nicht um lebenslange Mitgliedschaft
geht, sondern eher um Bündnisse mit wechselnden PartnerInnen für
bestimmte Fragen, mit Standards die einsetzbar sind in verschiedenen
Bereichen.
4. Und schliesslich, um jetzt vollends normativ utopisch zu werden,
denk Ich mir dass es auch eine Chance daraus entstehen könnte,
wenn das stimmt, dass die Arbeit weniger wichtig wird, und dass mehr
Leute mehr Freizeit haben, und dass Teilzeitbeschäftigung sinnvoll
ist, könnte das ja auch wieder Platz schaffen für so etwas
wie politisches Engagement und politische Aktivität.
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